Paula Schreiber aus der EF hat im letzten Halbjahr 3 Monate auf der Insel La Réunion im indischen Ozean als Austauschschülerin des Brigitte Sauzay Programms verbracht. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen. Wer auch Lust auf einen solchen Austausch hat (möglich in der 9 oder EF) kann sich gerne bei Herrn Brauweiler melden.
Ich weiß immer noch nicht genau, wie ich meine 3 Monate auf la Réunion auf 2 Seiten zusammenfassen soll. Ich habe einfach so viel erlebt und es ist unmöglich über alles zu schreiben. Ich glaube diese 3 Monate sind für jeden eine ganz persönliche Erfahrung. Für jeden ist das Leben in einer fremden Familie und Kultur eine ganz andere Erfahrung positiv aber manches auch negativ.
Von dem Brigitte-Sauzay-Programm habe ich von meinem Französischlehrer erfahren, der mir den 3-monatigen Austausch nach Caen vorgeschlagen hat. Aber nach ein bisschen Suchen, bin ich dann auf die Insel La Réunion gestoßen. Was gibt es schöneres als für 3 Monate auf einer Insel bei 30° zu sein, während es bei mir Zuhause kalt und nass ist…
Meine Austauschpartnerin habe ich privat über Bekannte gefunden, und bevor ich zu ihr geflogen bin, haben wir uns über e-mails ausgetauscht.
Meine Ersten Wochen dort waren sehr schwer für mich. Ich hätte nie gedacht, dass es so anders als bei mir Zuhause sein kann.
Mit meiner Austauschpartnerin habe ich mich unterschiedlich verstanden. Am Anfang war unser Verhältnis etwas distanziert, vor allem weil sie keinen Sport gemacht hat und ich sehr gerne irgendetwas gemacht hätte. Das Problem dort war für mich vor allem, dass „man“ sich nicht am Wochenende mit Freunden trifft, meine Austauschpartnerin auch keine Hobbies hatte, sodass wir im normalen Alltag, also am Wochenende viel Zuhause waren. Aber nach der Hälfte der Zeit haben die 6-wöchigen Sommerferien begonnen und meine Austauschpartnerin hatte keinen Stress mehr wegen der Schule und wir haben sehr viel unternommen. Ich kann jedem empfehlen darauf zu achten mindestens 2 Wochen Ferien dort zu verbringen. Während der Schulzeit haben die Schüler dort sehr viele Hausaufgaben oder müssen für die Arbeiten lernen. Aber in den Ferien hat mir meine Gastfamilie die ganze Insel gezeigt.
Wir waren sehr oft am Strand und im Meer, haben die vielen bunten Fische und Korallen gesehen. Meinen Lieblingsstrand l´étang salé, mit dem schwarzen Sand. Der schönste Strand Grande d´Anse. Und noch viel mehr Strände.
Wir waren sehr viel in den Bergen, wo es kühler ist. In den Ferien waren wir für eine Woche im Cirque de Cilaos, einem der drei Gebirgskessel. Die Landschaft ist traumhaft. Mein absolutes Highlight der ganzen 3 Monate war die Wanderung auf den mittlerweile nicht mehr aktiven Vulkan Piton des Neiges (3070m). Die Aussicht über die ganze Insel ist atemberaubend. Man kann nicht beschreiben wie schön es dort ist. Der zweite Gebirgskessel ist der Cirque de Mafate und man kann nur zu Fuß über die Berge reinwandern. Auch dort ist die Landschaft ein Traum! Es gibt in dem Kessel ein paar Dörfer, die bekanntesten sind Marla und la Nouvelle, die wir uns auch beide angeschaut haben. Es gibt kleine Läden wo man etwas zu essen kaufen kann, aber besser ist es sich etwas mitzunehmen. Dort kann man auch übernachten und eine mehrtägige Tour machen. Der dritte Kessel ist Cirque de Salazie, auch der ist wunderschön, aber dort war ich nur ganz kurz und habe nicht viel gesehen. Dann gibt es noch einen sehr großen Wald, der auch einmal ein Kessel war. Dort waren wir wandern und es ist nochmal ein ganz anderes Klima als zum Beispiel am Meer oder im Süden. Dort gab es tropenähnliche Gewächse, Wasserfälle und man hat ganz viele Vögel auf den Bäumen zwitschern hören. In den Ferien haben wir noch ganz viele Sachen gemacht. Besonders beeindruckt hat mich auch der zweite Vulkan Piton de la Fournaise. Einer der aktivsten Vulkane der Welt. Wir haben erst eine Wanderung tagsüber zu dem großen Krater gemacht und ich hatte das Glück, dass ein Tag vor meiner Abreise ein kleiner Krater ausgebrochen ist, sodass wir an meinem letzten Abend auf la Réunion einen Vulkanausbruch gesehen haben. Den Rest der Ferien haben wir dann am Strand verbracht, mit kleinen Wanderungen in den Bergen, wir haben ganz viele kleine und große Wasserfälle gesehen und haben sehr oft (und sehr typisch für dort) überall gepicknickt. Ein Picknick auf la Réunion ist nicht wie ein Picknick in Deutschland. Ein Picknick ist nicht nur mit der engsten Familie, sondern meistens mit allen Tanten und Onkeln, Großtanten und Onkeln und alles was irgendwie noch zur Familie gehört, aber auch schon Richtung Freunde geht. Das heißt ein Picknick ist mit mindestens 20 Personen, aber meistens mehr. Und dazu kommt noch, dass entweder am Picknickplatz direkt oder noch Zuhause für alle warm gekocht wird.
Ein letzter Punkt, der sehr spannend und neu für mich war, war das Weihnachtsfest und Silvester auf la Réunion. Ich glaube nicht viele würden DAS Fest der Familie, gerne in einem anderen Land, einer fremden Familie und Kultur verbringen und ich muss zugeben, ich bin mit gemischten Gefühlen darangegangen. Aber zu meiner Überraschung waren es super schöne Festtage! Ich wurde herzlich von der ganzen Familie aufgenommen und begrüßt. Es war wirklich spannend einmal zu sehen wie Familien in einem anderen Land Weihnachten und Silvester feiern.
Also wie man schon hört, habe ich sehr viel gesehen und erlebt. Die Kultur mit allen Facetten kennengelernt und gespürt. In diesen 3 Monaten habe ich so unglaublich viel gelernt, nicht nur Sprachliches, sondern auch so viel Menschliches, was ich niemals in der Schule gelernt hätte.
Ich bin meiner Gastfamilie unendlich dankbar, dass sie so viel mit mir gemacht haben und mir einen so großen Einblick in ihr Leben gegeben haben.
Auch wenn es mit meiner Austauschpartnerin am Anfang nicht ganz so gut geklappt hat, haben wir uns zum Ende immer besser verstanden. Ich hatte eine super schöne Zeit da und ich hoffe die wird sie hier bei mir in Deutschland bei meiner Familie auch haben.
Außerdem bin ich meinen Eltern und dem Deutsch-französischen Jugendwerk sehr dankbar dafür, dass sie mir diesen Austausch ermöglicht haben und ich diese unglaubliche Erfahrung erleben durfte!
Paula Schreiber (EF / Schuljahr 2016/17)